glassmaerchen berlin april 2017d

Glassmærchen - The story

„Als Alex und ich begannen zusammen zu arbeiten, verzichteten wir bewußt auf eine frühzeitige konzeptionelle Festlegung. Wir wollten einfach heraus finden, wie wir Inspiration in der Arbeit des jeweils Anderen finden würden ohne von vorne herein mögliche Ansätze auszuschießen.“ erzählt Rick J Jordan auf die Frage nach der eigenen stilistischen Einschätzung. „Als Alex mit dem Titel „Glassmærchen“ zu mir kam, wusste ich sofort, dass wir die perfekte Überschrift für unser gemeinsames Arbeiten gefunden hatten, wie ein Fixstern um den unser Schaffen zu kreisen begann.“

Ohnehin spielte das Thema „Weltraum – Universum“ bei Raytchev früh eine zentrale Rolle:

Alex: „ Ich habe mich ein meiner Jugend intensiv mit Astronomie befasst, habe nächtelang mit Freunden am Teleskop gesessen und sowohl Planeten als auch Nebel und andere kosmische Erscheinungen beobachtet. Diese Bilder haben ihren Weg bis in meine künstlerische Arbeit gefunden.“

Rick: „Ohnehin finde ich Bilder beim Komponieren oder Produzieren sehr inspirierend“

Alex: „Ja, genau, ich kann ohne Bildbezug im Kopf nicht wirklich arbeiten, an manchen Tagen wird das so intensiv, daß ich mich fühle wie Alexander Scriabin, der ja von sich behauptete, Farben hören zu können“

So entsteht aus eingangs eher isolierten Farben nach und nach ein immer differenzierteres Bild:

„Nachdem wir einige der Titel im Studio ausgearbeitet hatten fiel uns auf dass diese Stücke – in der richtigen Reihenfolge gespielt – eine wunderschöne Geschichte erzählen konnten. So konkretisierte sich die Idee vom Glassmærchen zur Geschichte.“

„Man kann in „Glassmærchen“ enorm viel gegensätzliches hineininterpretieren, Klarheit vs Verborgenheit, Schönheit vs Zerbrechlichkeit, Realität vs Fantasie; in jedem Fall war der Begriff für uns sehr inspirierend. So habe wir anfangs mir verschiedenen Samples der menschlichen Stimme gearbeitet, historische Texte, wir haben sie im Sampler umgedreht und rückwärts abgespielt – klang dann doch zu schaurig. Da kam uns die Idee, aus einem – imaginären – Glassmærchen zu zitieren und so entstanden die geflüsterten Stellen bei „Vom Kosmischen Kind“ oder auch der Vocoder in „Schatten in den Wolken“.

Letztlich reift die Idee, ein „kosmisches Kind“ die Entstehung des Universums erleben zu lassen bis zum heutigen Zeitpunkt. Dabei begreift das Kind, dass die ganze Unendlichkeit und Schönheit nicht nur in der äußerlich wahrgenommenen Welt existiert, sondern auch tief im inneren, im Kern der eigenen, individuellen Persönlichkeit.

Da Raytchev und Jordan beide über eine große Bandbreite jahrelanger musikalischer Erfahrungen verfügen, lassen sie viel davon in ihre Musik einfließen, was eine Kategorisierung dessen erschwert:

„Wir lieben Kontraste in unserem Arbeiten, mal denken wir symphonisch, ein anderes Mal eher minimalistisch ambient oder eben rein elektronisch, wobei sich das virtuose Klavierspiel von Alex als roter Faden durch unsere Songs zieht.“

Dabei kommt den Beiden ihre oft gegensätzliche Arbeitsweise entgegen: Alex arbeitet anfangs vor allem mit Bleistift im Notenbild, wogegen Rick Veränderungen oft direkt am Bildschirm entwickelt, mit unerwarteten Nebenwirkungen für Alex:

„So interessant und überraschend Rick´s Veränderungen auch sind, als Solist bringen sie mich nicht selten an technische Grenzen und haben mir schon einige schlaflose Nächte am Flügel bereitet.“

Auf der Suche nach Wegen, die im Studio entstandenen Werke adäquat und eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen, treffen R&J auf das junge Hamburger Canea Quartett, wie Rick erzählt:

„Nachdem wir mit einer Hamburger Top-Violinistin im Studio gearbeitet hatten, waren wir so angefixt dass wir beide auf der Bühne unbedingt mit echten Streichern arbeiten wollten. Das Ergebnis fasziniert mich immer wieder. Es ist toll, wenn vier studierte Orchestermusiker mit all ihrem Können und Gefühl deine Ideen weiter tragen, als du sie je selbst gedacht hättest.“

Dass ihr gemeinsames Faible für mystische Themen in der Musik Raytchev & Jordan ein philosophischen, fast esoterischen Anstrich verleihen, finden beide nur konsequent:

„Wir sind beide an einem Punkt im Leben angekommen, an dem sich der Blick auf die eigene Existenz verschiebt, Inhalte wichtiger werden als die äußere Form. Das kann man ruhig philosophisch begreifen. So ein Wandel wirkt sich natürlich auch auf das kreative Schaffen aus, man stellt andere Fragen, sucht nach anderen Antworten als in seinen 20ern. Die Substanz rückt in den Vordergrund.“